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Restrukturierung16. Mai 2026· 10 Min. Lesezeit

Restrukturierung im KMU:
Wann ein Interim Manager die richtige Wahl ist

Warum 60% der KMU-Krisen zu spät erkannt werden, welche Warnsignale Geschäftsführer kennen müssen und wie ein Interim Manager in 100 Tagen die Wende schafft.

Die Insolvenzzahlen im DACH-Raum steigen seit 2023 auf breiter Front. In Deutschland verzeichnete das Jahr 2024 laut Creditreform rund 22.400 Unternehmensinsolvenzen - ein Anstieg von über 16% gegenüber dem Vorjahr. In der Schweiz ist die Lage noch dramatischer: 2024 wurden über 11.500 Firmenkonkurse publiziert (+15% zum Vorjahr), 2025 kletterte die Zahl laut Creditreform Schweiz auf knapp 15.000 - ein Plus von über 30%. Besonders betroffen sind Bau (20% aller Konkurse), Handel und Dienstleistungen (je 18%) sowie das Gastgewerbe (11%).

Besonders unter Druck steht der Mittelstand mit 50 bis 500 Mitarbeitern - in Deutschland wie in der Schweiz - eingeklemmt zwischen steigenden Kosten, Fachkräftemangel und Lieferkettenproblemen.

Die bittere Wahrheit: Die meisten Krisen kommen nicht plötzlich. Sie kündigen sich an - durch sinkende Margen, wachsende Forderungsbestände und ausbleibende Investitionen. Doch viele Geschäftsführer erkennen die Signale zu spät oder haben im Tagesgeschäft schlicht keine Kapazität für eine systematische Restrukturierung.

Genau hier kommt der Interim Manager ins Spiel. Nicht als dauerhafter Berater, sondern als operativer Umsetzer auf Zeit - mit einem klaren Mandat und einem definierten Zeithorizont.

Restrukturierung vs. Sanierung vs. Insolvenz - Was ist was?

BegriffSituationZeithorizontZiel
RestrukturierungErtragsschwäche, strategische Schieflage6-18 MonateWettbewerbsfähigkeit wiederherstellen
SanierungDrohende Zahlungsunfähigkeit3-12 MonateFortbestand sichern
InsolvenzZahlungsunfähigkeit / ÜberschuldungGerichtlichGläubigerbefriedigung
StaRUGDrohende ZahlungsunfähigkeitVariabelAußergerichtliche Schuldenrestrukturierung

Wichtig: Je früher Sie handeln, desto mehr Optionen haben Sie. Eine Restrukturierung bei ersten Warnsignalen hat eine deutlich höhere Erfolgsquote als eine Sanierung unter Zeitdruck.

Die 7 Warnsignale - Wann Ihr KMU Restrukturierungsbedarf hat

01

EBITDA-Marge sinkt seit 2+ Quartalen

Einzelne schwache Quartale sind normal. Ein Trend über 6+ Monate ist ein Warnsignal.

02

Working Capital steigt überproportional

Forderungen laufen auf, Lagerbestände wachsen, Zahlungsziele werden länger. Das Geld steckt im Umlaufvermögen fest.

03

Kreditlinien werden regelmäßig ausgeschöpft

Wenn die Kontokorrentlinie nicht mehr Puffer ist sondern Dauerfinanzierung, stimmt etwas strukturell nicht.

04

Schlüsselkunden gehen verloren

Kundenverluste über 15% p.a. oder erzwungene Preissenkungen signalisieren Wettbewerbsprobleme.

05

Investitionsstau seit 12+ Monaten

Aufgeschobene Investitionen schaffen einen Teufelskreis: schlechter Output, weniger Umsatz, noch weniger Budget.

06

Fluktuation im Management steigt

Wenn gute Leute gehen, sehen sie etwas, das die Geschäftsführung vielleicht nicht wahrhaben will.

07

Bank fordert zusätzliche Sicherheiten

Wenn Ihre Hausbank nervös wird, ist das ein ernstes Signal. Banken haben eigene Frühwarnsysteme.

Faustregel: Ab 3 von 7 Warnsignalen sollten Sie aktiv werden. Ab 5 ist schnelles Handeln notwendig.

Warum ein Interim Manager und kein Unternehmensberater?

DimensionUnternehmensberaterInterim Manager (CRO)
RolleBerät, empfiehlt, erstellt KonzepteFührt operativ, entscheidet, setzt um
VerantwortungFür Analyse und KonzeptFür das Ergebnis - P&L möglich
DauerProjektbasiert (Wochen-Monate)Mandatsbasiert (3-12 Monate)
EinbindungExtern, regelmäßige ReviewsIntern, täglich vor Ort
KostenTagessätze ohne ErgebnisbindungOft erfolgsabhängige Komponente
Akzeptanz"Noch ein Berater""Einer der mit anpackt"

Die DDIM-Prognoseumfrage zeigt: Restrukturierungsmandate machen inzwischen fast 11% aller Interim-Anfragen aus - Tendenz steigend. Unternehmen haben gelernt, dass PowerPoint-Präsentationen keine Krisen lösen.

Der 100-Tage-Plan - So läuft eine Restrukturierung ab

Tag 1-30

Phase 1: Analyse & Quick Wins

  • Ist-Aufnahme: Finanzen, Prozesse, Organisation, Marktposition
  • Stakeholder-Mapping: Verbündete und Widerstände identifizieren
  • Cash-Sicherung: Sofortmaßnahmen für Liquidität
  • Quick Wins umsetzen - sichtbare Erfolge schaffen Vertrauen
Tag 31-60

Phase 2: Konzept & Umsetzungsstart

  • Restrukturierungskonzept nach IDW S6 (falls Bankengespräche nötig)
  • Maßnahmenplan mit klaren Verantwortlichkeiten und Meilensteinen
  • Transparente Kommunikation an Mitarbeiter, Banken, Lieferanten
  • Erste strukturelle Veränderungen: Kostenreduktion, Portfoliobereinigung
Tag 61-100

Phase 3: Umsetzung & Stabilisierung

  • Maßnahmen greifen, erste KPIs verbessern sich messbar
  • Change-Management: Neue Prozesse werden zum Alltag
  • Übergabeplanung: Interne Verantwortliche übernehmen schrittweise
  • Governance-Strukturen für nachhaltige Steuerung etabliert

Ergebnis nach 100 Tagen: Ein stabilisiertes Unternehmen mit klarer Strategie, optimierten Prozessen und einem Management-Team, das die Transformation eigenständig weiterführen kann.

StaRUG - Das neue Instrument für KMU in der Krise

Das Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmengesetz (StaRUG) ist seit Januar 2021 in Kraft und bietet KMU eine Alternative zur klassischen Insolvenz. Die Bilanz nach über vier Jahren ist gemischt - aber aufschlussreich.

Fakten (Stand 2024/2025)

  • • Nur 87 StaRUG-Verfahren 2024 eingeleitet
  • • Mehrheit nicht-öffentlich
  • • Gerichte bewerten zurückhaltend (5/10)
  • • Evaluierungsbericht geplant H1/2026

Geeignet wenn

  • • Drohende (nicht eingetretene) Zahlungsunfähigkeit
  • • Primär finanzielle Verbindlichkeiten
  • • 75%+ Gläubigerzustimmung erreichbar
  • • Operativ im Kern gesund

Und in der Schweiz?

Die Schweiz kennt kein StaRUG-Äquivalent. Hier greift das Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) mit Instrumenten wie der Nachlassstundung (Art. 293 ff. SchKG) - vergleichbar mit der Eigenverwaltung in Deutschland. Angesichts von knapp 15.000 Firmenkonkursen in 2025 (+30%) wird die frühzeitige Restrukturierung auch für Schweizer KMU zunehmend existenzkritisch.

Praxis-Tipp: Ein Interim Manager kann die StaRUG-Vorbereitung steuern - von der Erstellung des Restrukturierungsplans über die Gläubigerverhandlungen bis zur operativen Umsetzung.

Was eine Restrukturierung kostet - und was sie bringt

PositionBandbreiteAnmerkung
Interim Manager (CRO)1.500-2.500 EUR/TagJe nach Erfahrung und Komplexität
Rechtsberatung15.000-50.000 EURAbhängig von Gläubigerstruktur
IDW S6 Gutachten30.000-80.000 EURFalls von Banken gefordert
Gesamt (100 Tage)80.000-200.000 EURInvestition, nicht Kosten

ROI-Rechnung

Ein KMU mit 20 Mio. EUR Umsatz und 5% EBITDA-Marge, das durch Restrukturierung auf 8% verbessert wird, generiert 600.000 EUR zusätzlichen Cashflow - pro Jahr. Die Investition amortisiert sich damit innerhalb von 4-6 Monaten. Die Alternative - eine Insolvenz - kostet erfahrungsgemäß ein Vielfaches.

Die 5 häufigsten Fehler bei der KMU-Restrukturierung

1. Zu lange warten

Die häufigste Ursache für gescheiterte Restrukturierungen. Je später Sie starten, desto weniger Spielraum haben Sie.

2. Symptome statt Ursachen behandeln

Kosten senken ohne die strukturellen Probleme zu lösen führt nur zu einer Abwärtsspirale.

3. Kommunikation vernachlässigen

Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten merken es trotzdem. Kontrollierte Kommunikation ist besser als Gerüchteküche.

4. Emotionale Bindung an Geschäftsbereiche

"Das haben wir schon immer so gemacht" ist der teuerste Satz in jeder Restrukturierung.

5. Keinen externen Blick zulassen

Betriebsblindheit ist real. Ein externer Interim Manager sieht in 2 Wochen, was intern seit Jahren übersehen wird.

Checkliste - Braucht Ihr Unternehmen eine Restrukturierung?

10-Punkte-Check:

7+/10: Sofortiger Handlungsbedarf. Interim Manager einschalten.

4-6/10: Strukturierte Analyse nötig. Erstgespräch empfohlen.

<4/10: Kein akuter Bedarf, aber wachsam bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Interim Manager für eine KMU-Restrukturierung?
Tagessätze liegen zwischen 1.500 und 2.500 EUR, bei einem typischen 100-Tage-Mandat ergibt das Gesamtkosten von 80.000 bis 200.000 EUR - inklusive Nebenkosten und ggf. Rechtsberatung.
Wie lange dauert eine Restrukturierung im Mittelstand?
Ein typisches Restrukturierungsmandat läuft 3-12 Monate. Die ersten sichtbaren Ergebnisse (Quick Wins) sind oft innerhalb von 30 Tagen möglich. Die nachhaltige Stabilisierung braucht 6-12 Monate.
Was ist der Unterschied zwischen Restrukturierung und Sanierung?
Restrukturierung setzt früher an - bei strategischer oder operativer Schieflage, aber noch vor einer existenzbedrohenden Krise. Sanierung greift, wenn bereits Zahlungsunfähigkeit droht oder eingetreten ist.
Eignet sich das StaRUG-Verfahren für kleine Unternehmen?
Grundsätzlich ja, aber das Verfahren ist beratungsintensiv und erfordert professionelle Planungsprozesse. Bisher wurden jährlich unter 90 Verfahren eingeleitet. Für rein finanzielle Restrukturierungen bei drohender Zahlungsunfähigkeit kann es eine sinnvolle Alternative zur Insolvenz sein.
Wann sollte ich einen Interim Manager statt einen Berater engagieren?
Wenn Sie nicht nur Analyse und Konzept brauchen, sondern jemanden, der operativ umsetzt, Verantwortung übernimmt und täglich vor Ort führt. Bei akutem Handlungsbedarf und fehlender interner Kapazität ist ein Interim Manager die richtige Wahl.
Was passiert nach dem Interim-Mandat?
Ein guter Interim Manager arbeitet vom ersten Tag an auf seine eigene Ablösung hin. Nach dem Mandat übernehmen interne Führungskräfte die neuen Prozesse und Strukturen. Governance-Rahmen und KPI-Dashboards sichern die Nachhaltigkeit.

Quellen

[1] Creditreform DEInsolvenzen in Deutschland 2024: 22.400, +16%
[2] Creditreform CHFirmenkonkurse Schweiz: 11.500 (2024), 15.000 (2025, +30%)
[3] KMU Admin (SECO)Branchenverteilung Konkurse CH: Bau 20%, Handel 18%
[4] DDIMPrognoseumfrage: 11% Restrukturierungsmandate
[5] CMS Blog3 Jahre StaRUG: 87 Verfahren in 2024
[6] BDURestrukturierungsberatung für kleine Unternehmen
[7] IDWStandard S6 - Sanierungskonzepte
TB

Thorsten Busche

Interim COO & Operations-Experte · praevio.ch

15+ Jahre operative Führungserfahrung in Restrukturierung und Skalierung. Zuletzt als Director Operations in Kanada mit 2.000+ Mitarbeitern. DDIM-Mitglied. Ich bringe diese Erfahrung als Interim COO in den DACH-Mittelstand.

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